Elektromobilität nimmt Fahrt auf – und die industrielle Teilereinigung muss Schritt halten
Industrielle Teilereinigung
- 13.02.2026
Hier kriegt das E-Auto sein Fett weg – und mehr
Elektromobilität stellt erhöhte Sauberkeitsanforderungen an elektronische Bauteile. Während früher eine einfache Entfettung von Stanzteilen ausreichte, genügt das heute nicht mehr. Besonders bei modernen Verbindungstechnologien wie Reib- und Ultraschallschweißen von Leiterplatten ist eine reine Oberflächenbeschaffenheit unabdingbar, denn in der Elektronikfertigung führen selbst kleinste Fremdpartikel wie Staub, Abrieb oder Frässpäne zu erheblichen Problemen. Bei den immer enger werdenden Strukturen auf Leiterplatten verursachen diese Verunreinigungen Löt- und Kontaktfehler, die die Produktqualität beeinträchtigen und im schlimmsten Fall komplette Ausfälle zur Folge haben.Neben den Verunreinigungen durch mechanische Bearbeitung sind chemische Kontaminationen ein Problem, da sie die Oberflächeneigenschaften für nachfolgende Prozesse wie Kleben, Schweißen und Abdichten ungünstig beeinflussen. Die technische Sauberkeit der gesamten Fertigungs- und Montagekette muss gewährleistet sein, um Re- und Cross-Kontaminationen zu vermeiden. Wohlgemerkt stellen die drei Hauptkomponenten eines Elektrofahrzeugs – Elektromotor, Energiesystem und Leistungselektronik – jeweils eigene Anforderungen an die Reinheit.
Ein Meilenstein der industriellen Teilereinigung
Auf diese Schwierigkeiten reagiert die KLEINER GmbH aus Pforzheim. Nach intensiver Entwicklungsarbeit nimmt das Unternehmen am Standort Eisingen im Dezember 2025 eine hochmoderne Reinigungsanlage in Betrieb. Das Projekt startete Anfang 2022 mit einem ersten Kick-Off-Meeting mit dem Kunden Semikron Danfoss. Nach gut drei Jahren Entwicklungszeit erfolgte ab Frühjahr 2025 die Validierung der ersten Musterteile.Die etwa sieben Meter lange Reinigungsanlage besteht aus hochwertigen Komponenten: einem Spritzreinigungssystem der Firma Karl Roll mit Edelstahlwaschkörben von Kögel, einem speziell entwickelten Reinigungsmedium der Firma ZESTRON sowie Automatisierungstechnik der Firma Essert Robotics.
Der Reinigungsvorgang umfasst zwei Stufen, eine Abspülstation, drei Spülstationen und eine Abblas-/Auftrockenstation. Während des Prozesses wird ein monolagiger Inhibitor aufgebracht, der die Kupferkomponenten beim Transport vor Reaktionen mit der Umgebung schützt.
Das automatisierte Roboterhandling übernimmt das Entnehmen der Teile aus den kontaminierten Trays, das Setzen und Entnehmen in die Edelstahlkörbe, das Setzen in die sauberen Trays sowie das Palettieren. Verpackungsmaterial wird vollautomatisiert zugeführt, fertig befüllte Paletten entnommen. Das System, welches in Q2 2026 in Betrieb gehen wird, ermöglicht dann eine Taktzeit von einem Teil pro Sekunde – 3.600 Teile pro Stunde. Der wirtschaftlich willkommene "Nebeneffekt": Die Reinigungskosten pro Teil sinken durch die Automatisierung und den schnellen Durchlauf um mehr als 50 Prozent.
Jahrzehntelange Expertise in Präzision
1985 gegründet, hat sich KLEINER in vier Jahrzehnten zu einem führenden Anbieter von Hochleistungsstanzwerkzeugen und Präzisionsstanzteilen entwickelt. Das Unternehmen beschäftigt heute über 270 Mitarbeitende an drei Standorten in der Region Pforzheim. Am Hauptsitz arbeiten die Verwaltung, der Werkzeugbau, Forschung und Entwicklung sowie die Qualitätssicherung. In Eisingen und Neulingen befinden sich spezialisierte Produktionsstätten für die Fertigung von Stanzteilen, Baugruppen und die Montage.
Das Portfolio von KLEINER ist breit gefächert: Es reicht von Mikrostanzteilen, die in der Medizintechnik und Elektronikindustrie eingesetzt werden, über Schnappscheiben und Kontaktfedern bis hin zu komplexen Stanzgittern, die als Träger für elektronische Komponenten dienen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung und Produktion von Stanzteilen für die Elektromobilität, darunter Hochstromkontakte, Zellverbinder für Batteriemodule und spezielle Baugruppen für Leistungselektronik. KLEINER entwickelt und fertigt zudem Werkzeuge für die Serienproduktion und bietet Lohnfertigung an.
Hinzu kommt ein umfassender Service: Von der Beratung zur fertigungsgerechten Bauteilgestaltung über die Entwicklung und den Bau von Werkzeugen, die Montage bis hin zur Wartung. Die firmeneigene Logistik sorgt für termingerechte Lieferung weltweit. Darüber hinaus unterstützt KLEINER bei der Validierung von Produktionsprozessen und bietet Dienstleistungen wie die Analyse der technischen Sauberkeit durch das eigene Labor an.
KLEINER versteht sich wohlgemerkt nicht lediglich als Teilelieferant und Dienstleister, sondern als Entwicklungspartner seiner Kunden. Das Unternehmen begleitet Projekte von der ersten Idee über die Prototypenfertigung bis zur Inbetriebnahme. In interdisziplinären Teams entstehen Lösungen, die auf jeweils spezifische Anforderungen antworten. Durch enge Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und Hochschulen sichert sich die Firma ihren Technologievorsprung. Die neue Reinigungsanlage ist Ausdruck dieser Innovationskraft.