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Nachhaltige Digitale Souveränität bestimmt die Zukunftsfähigkeit der Green IT. Es gilt, auf technisch unabhängige und klimaschonende IT-Infrastrukturen und Software zu setzen, um als Unternehmen wettbewerbsfähig zu bleiben. Mit Pragmatismus lässt sich hier viel erreichen, wenn von vornherein in IT-Entscheidungen – schon allein aus Gründen des Investitionsschutzes – entsprechende Kriterien einfließen.
Zwischen politischen Schockwellen und gesetzgeberischen Trends wird deutlich: Unternehmerische IT-Entscheidungen tun gut daran – sofern sie längerfristig tragfähig sein sollen – Kriterien einer nachhaltigen Digitalen Souveränität auf die Agenda zu setzen. Die gilt in zweierlei Hinsicht: nachhaltig im Sinne von technisch langfristig entwicklungs- und betriebsfähig sowie energie- und ressourcenschonend.
Die gute Nachricht ist: „Auch wenn pauschal gültige Verfahren noch fehlen, so lässt sich beides über pragmatische Ansätze gut miteinander vereinbaren – inklusive strategischer und wirtschaftlicher Vorteile“ sagt Gernot Hofstetter, Co-CEO von Yorizon. „Wie, das zeigen immer mehr Akteure aus Wirtschaft, Bundesverbänden und Vereinigungen. Dazu gehören etwa die Initiativen Alasca, die Open Source Business Alliance und der Sovereign Cloud Stack, die Standards und Best Practices für ein offenes, anbieterneutrales Cloud-Ökosystem schaffen, oder der Bundesverband Green Software, der sich für eine klima- und ressourcenschonende Digitalisierung einsetzt.“
Mit dem Blauen Engel hat das Bundesumweltamt zudem den Maßstab für hohe ökologische Software-Standards in Verbindung mit Open Source definiert und fördert damit auch die digitale Souveränität – der Blaue Engel ist Teil der Vergabekriterien der öffentlichen Verwaltung.
Prinzipiell gibt es für nachhaltige Digitale Souveränität vier Ansatzpunkte:
Datenhygiene betrifft den typischen Schlendrian. Je nach Branche liegen typischerweise zwischen 40 Prozent bis 90 Prozent aller Unternehmensdaten unstrukturiert vor und bleiben großteils ungenutzt. Ohne operativen Wert treiben sie Kosten, Emissionen und Compliance-Risiken. Diese Dark Data zu bereinigen und mit Retention Policies aktiv zu verwalten ist ein erster Schritt zu nachhaltiger IT, ein weiterer ist Storage Tiering. Das heißt, häufig genutzte Daten bleiben auf schnellen Speichern verfügbar, selten genutzte Daten werden automatisiert in günstigere und energieeffizientere Speicherklassen ausgelagert – ob lokal oder in der Cloud.
Für den systematischen Aufbau einer nachhaltigen, souveränen IT-Umgebung gilt es, gezielt Anpassungen vorzunehmen. Dafür bieten sich als Ausgangspunkt entsprechend konzipierte, lokale Edge-Cloud-Infrastrukturen an – aus drei Gründen:
Zum einen ist Cloud Computing grundsätzlich ein wesentlicher Bestandteil von Green IT.
Cloud-Rechenzentren verfügen aufgrund höherer Nutzungsdichten und energieoptimierter Hardware über erweiterte Möglichkeiten für einen energieeffizienten Betrieb. Unter anderem werden durch Virtualisierung weniger physische Server benötigt, eine dynamische Skalierung sorgt für eine optimale Hardwareauslastung und aktiviert nur diejenigen IT-Ressourcen, die momentan benötigt werden.
Für lokale Edge-Cloud-Rechenzentren gilt zusätzlich: „Umso weniger weit die Daten transportiert werden müssen, umso weniger Knotenpunkte sind daran beteiligt und umso weniger Energie wird im Endeffekt für den Transport aufgewandt“, ergänzt Hofstetter.
„Als verlängerter Arm der unternehmenseigenen IT bietet Edge-Cloud also Rechenleistung ‚in Sichtweite‘ bedarfsorientiert und automatisiert – je nach Datenaufkommen und Latenzanforderungen. Dadurch müssen Unternehmen weniger Hardware als Sicherheitsreserve vorhalten. Kurz: Edge-Cloud gewährleistet skalierbare IT-Ressourcen in greifbarer Nähe mit reduziertem CO2-Fußabdruck.“
Dritter Green-IT-Aspekt ist: Lokale, kleinere Edge-Cloud-Rechenzentren können durch geringe Flächennutzung, durchdachte Architektur mit recyclefähige Baumaterialien, modernen Kühltechniken, Abwärmenutzung sowie lokaler regenerativer Energieversorgung ein nachhaltiges Life-Cyle-Management realisieren.
Generell gilt für die Auswahl eines Cloud-Services: Die PUE (Power Usage Effectiveness) zeigt als Kennzahl die Energieeffizienz eines Rechenzentrums an, also den Gesamtstromverbrauch der Anlage im Verhältnis zum Energieverbrauch der IT-Geräte. Wichtig für die Nachhaltigkeit ist auch der Wasserverbrauch pro Kilowattstunde IT-Leistung über die Kennzahl Water Usage Effectiveness (WUE). Beide Werte dienen als Kennzahl für nachhaltige Cloud-Strategien.
Das Energieeffizienzgesetz in Deutschland gibt entsprechend strikte Regularien für zukünftig nachhaltige Rechenzentren vor mit einer Verbrauchseffektivität (PUE Power Usage Effectiveness) von kleiner oder gleich 1,2. Zum anderem sind Rechenzentren zur Einführung von Energie- und Umweltmanagementsystemen ab einem bestimmten Verbrauch zur Veröffentlichung von Energieverbrauchsdaten verpflichtet.
„Zum Aspekt der Nachhaltigkeit eines Cloud-Services gehört auch die Frage nach der Cloud-Management-Software“, erklärt Hofstetter im Hinblick auf Digitale Souveränität. „Bei kritischen Abhängigkeiten von globalen Anbietern macht es Sinn, zumindest für unternehmenskritische Anwendungen Provider mit standardisierter Open-Source Cloud-Software zu bevorzugen. Dies ermöglicht einen problemlosen Wechsel von Cloud-Instanzen sowie eine nahtlose Integration in bestehende Hybrid- und Multi-Cloud-Architekturen.“
Hier schließt sich auch der Kreis von Unabhängigkeit und Nachhaltigkeit: So zeigt im Hinblick auf Green Cloud das Forschungsprojekt ECO:DIGIT unter anderem in Zusammenarbeit mit der Open Source Business Alliance, dass erst durch die Verwendung von Open Source-Software und offener Standards die nötige Transparenz geschaffen wird, um präzise und ganzheitlich Verbrauchsdaten von Cloud-Umgebungen zu erfassen.
Für einer verbesserte digitale Ökobilanz braucht es auch einen kritischen Blick auf die Software. Denn sie bestimmt zum einen durch die Effizienz der verwendeten Algorithmen und Datenstrukturen den Anspruch an Rechenzeit und Speicher im Betrieb und damit den Energieverbrauch der Hardware. Zum anderen sind Faktoren wie Abwärtskompatibilität von Software sowie Upgrades ohne höhere Hardwareanforderungen generell ausschlaggebend dafür, die Nutzungsdauer von Hardware zu verlängern – ob für Server im Rechenzentrum oder für Clients an Arbeitsplätzen. Daher setzen immer mehr Entwickler nach dem Konzept des Green Codings darauf, Software von vornherein und messbar Energie- und Ressourceneffizient zu gestalten.
„Unternehmen haben zahlreiche Stellschrauben, um systematisch ihre IT nachhaltig souverän weiterzuentwickeln“, fasst Hofstetter zusammen. „Und gute Gründe sprechen dafür: Offene Standards schützen vor kritischen Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern, schaffen Transparenz über tatsächliche Energieverbräuche von IT-Infrastrukturen und geben die Kontrolle über Daten wieder zurück an die Anwender. Und klar ist auch: Unternehmen, die frühzeitig auf ESG-konforme IT setzen, vermeiden Risiken und verbessern ihre Position bei Finanzierungen und Ausschreibungen.“
Nachhaltige Digitale Souveränität bedeutet, langfristige technische Unabhängigkeit in IT-Infrastrukturen und -Software zu gewährleisten, während gleichzeitig Energie- und Ressourcenschonung priorisiert werden.
Initiativen wie Alasca, die Open Source Business Alliance, der Sovereign Cloud Stack und der Bundesverband Green Software setzen sich für ein nachhaltiges, anbieterneutrales und ressourcenschonendes IT-Ökosystem ein.
Edge-Clouds reduzieren den Energieverbrauch durch kürzere Datenwege, bieten skalierbare IT-Ressourcen in der Nähe und verwenden nachhaltige Praktiken wie Abwärmenutzung und erneuerbare Energien.
Die PUE zeigt die Energieeffizienz eines Rechenzentrums an, indem sie den Gesamtstromverbrauch zu dem Energieverbrauch der IT-Geräte ins Verhältnis setzt. Ein niedrigerer PUE-Wert bedeutet höhere Effizienz.
Open-Source-Standards bieten Unabhängigkeit von globalen Anbietern, ermöglichen problemlosen Wechsel von Cloud-Instanzen und schaffen durch Transparenz bessere Kontrolle über Energieverbräuche.